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Die Geschichte der Orgeln in der Basilika
Am Kollegiatstift Unserer Lieben Frau zur Alten Kapelle wird seit dem Hochmittelalter eine reichhaltige kirchenmusikalische Tradition gepflegt. Seit dem 16. Jh. gibt es auch Hinweise auf eine Orgel in der Alten Kapelle. Die erste gut dokumentierte Orgel erbaute 1584 der Ulmer Bürger und Orgelmacher Caspar Sturm. Die Orgel hatte insgesamt 15 Register, davon acht im Manual, zwei im Pedal, welches an das Manual angehängt war, und außerdem neben zwei Sperrventilen zu Manual und Pedal die Neben-register Tremulant, Vogelgesang und Heerpauke. Die beiden letzteren erfreuten sich im Barock als „Schnurrpfeifereien“ großer Beliebtheit. Der Vogelgesang erforderte besondere Aufmerksamkeit, wie aus einer schriftlichen Anweisung Caspar Sturms hervorgeht: „In das Vogelgesang soll zu Sommer zeit ein frisch Prunnenwasser fein sittlich eingossen werden. [...] Im Winter aber braucht man an statt des Wassers darein ein Prandtwein.“ Der genaue Standort der Orgel im Langhaus lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Vielleicht stand sie auf dem Lettner zwischen Stiftschor und Laienschiff. Erst im Jahre 1719 übertrug man die Sturm-Orgel auf die neu erbaute Westempore, nachdem der Lettner abgebrochen worden war. Das mit seinem Klangkonzept im Übergang von der Renaissance zum Frühbarock anzusiedelnde Instrument erfüllte seinen Dienst bis zum Beginn der barocken Umgestaltung der mittelalterlichen Basilika im Jahre 1747. Damals wurde es wohl stillgelegt, befand sich aber noch bis 1787 in der Alten Kapelle.
Zum Abschluss der Neugestaltung der Stiftskirche wurde im Jahre 1791 von dem Nabburger Orgelbaumeister Andreas Weiß (1722—1807) eine völlig neue Orgel erbaut, die den neuen musikalischen Anforderungen der Zeit hervorragend entsprach. Mit ihrer Klangdisposition bildete die Orgel von Andreas Weiß eines der herausragenden Instrumente des bayerischen Orgelbaus im 18. Jh. Kennzeichnend waren hierbei die Vollständigkeit des Prinzipalchors, Flöten und Streicherstimmen in verschiedenen Stimmlagen, ein dem Hauptwerk dynamisch ebenbürtiges, oktavversetztes Oberwerk und eine ungewöhnlich reiche Besetzung des Pedals. Das prachtvolle OrgeIgehäuse der Weiß-Orgel ist heute noch erhalten und bildet den festlichen Rahmen für die neu erbaute Papst-Benedikt-Orgel. Es wurde von dem Kunstschreiner Josef Kollhaupt aus Stadtamhof angefertigt. Die Schnitzarbeiten stammen von Simon Sorg (1719—1792) aus Regensburg, der auch den Hochaltar schuf. Das klassizistische Gehäuse wurde 1797 von dem Regensburger Hofmaler Johann Georg Kollmüller farbig gefasst. Elegant umrahmen die zur Mitte hin abfallenden Seitenflügel mit dem mächtigen Volutengebälk und den umkränzten Säulen das kleinere Mittelfeld. Über diesem zeigt in einer Nische eine große Vase das Relief des Königs David, der die Kirchenmusik verkörpert. Darüber erhebt sich krönend das dreiteilige Oberpositiv. Aufwändig geschnitzte Schleierbretter mit vergoldetem Rankenwerk, kunstvoll gestaltete Vasen in verschiedenen Größen sowie sieben alabasterweiße Putten mit verschiedenen Musikinstrumenten (Pauken, zwei Posaunen, Querflöte, Taktstock, zwei Sänger) ergeben im Verein mit den silberglänzenden Prospektpfeifen einen würdigen optischen Kontrapunkt zum Hochaltar. Im 19. Jh. sind zwei Orgelbauten zu verzeichnen: 1870 vollendete der Regensburger Orgelbaumeister Anton Breil (1821—1892) einen Neubau unter Verwendung von 16 alten Registern (30 Register), wobei das Orgelgehäuse um etwa 60 cm zurückversetzt wurde. Bald darauf regte der bedeutende Kapellmeister Michael Haller (1840—1915) einen weiteren Neubau an. 1899 wurde ein neues Orgelwerk des aus Pfaffenhofen stammenden Martin Binder (1849—1904) geweiht. Das Instrument hatte 36 Register, wurde bald modernisiert, 1939 jedoch unter dem Einfluss der „Orgelbewegung“ der 1920er Jahre barockisierend umgebaut. Aus dem Bemühen des Domorganisten Eberhard Kraus um eine moderne neue Orgel ging die 1974 fertig gestellte Orgel von Eduard Hirnschrodt (1906—1990) hervor. Sie hatte Schleifladen, eine mechanische Spiel- und elektrische Registertraktur. Ihre 32 Register verteilten sich auf drei Manuale und Pedal. 20 Jahre später bewogen die gravierenden Mängel der Hirnschrodt-Orgel den Orgelsachverständigen Kirchenmusikdirektor Karl Norbert Schmid († 1995), Stiftskapellmeister Josef Kohlhäufl und Stiftsorganist Norbert Düchtel dazu, dem Stiftskapitel einen grundlegenden technischen und musikalischen Neubau der Orgel zu empfehlen. Insbesondere erschien das historische Orgelgehäuse mit dem Einbau von vier statt bisher drei Werken überfrachtet, was die Klangentfaltung deutlich beeinträchtigte. Weiterhin erschwerten Konstruktionsmängel in der Mechanik, eine unzureichende Windversorgung, die problematische elektrische Registertraktur, ein stillos dem historischen Gehäuse eingefügter Spieltisch und die stetig steigenden Reparaturkosten eine einwandfreie Nutzung des Instruments. Daher empfahl das Gutachten den Bau eines Instruments nach dem historischen Vorbild und Klangideal des Nabburger Orgelbaumeisters Andreas Weiß. Die Orientierung an der damaligen Disposition, erweitert um einige wichtige Register, sollte die typischen Merkmale des bayerischen Barocks vereinen und gleichzeitig die Erfordernisse der heutigen Liturgie berücksichtigen. |
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